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Niemand hat sie vermisst

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Luna
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BeitragThema: Niemand hat sie vermisst   19.09.18 22:49Eine Antwort erstellen

Es muss ein einsamer, trauriger Tod gewesen sein, den eine erst 55 Jahre alte Brandenburgerin in ihrer Wohnung in Brandenburg/Havel gestorben ist. Monatelang hat offenbar niemand Claudia D. (Name geändert) wirklich vermisst, obwohl sie doch einmal Familie hatte und im gesellschaftlichen Leben stand.

An welchem Tag Claudia D.’s Herz aufgehört hat zu schlagen, weiß niemand. Wahrscheinlich ist die Frau um die Weihnachtszeit des vergangenen Jahres herum oder kurz danach gestorben. Ihr Leichnam lag in den folgenden Monaten bis Anfang August in der Wohnung.

Ihre erwachsenen Kinder, die vier Enkel oder auch mögliche Freunde und Arbeitskollegen haben sich offenbar keine großen Sorgen um die geschiedene Frau gemacht. Nachdrücklich den Kontakt gesucht hat keiner von ihnen.
Briefkasten quoll über

Gefunden wurde die Tote erst am 9. August. Das ist der Tag, der nun auch als ihr Todesdatum angegeben wird. Ein Nachbar hatte die Initiative ergriffen, weil der Briefkasten der Frau monatelang nicht geleert worden war und daher überquoll. Verwesungsgeruch hatten weder er noch andere Hausbewohner die gesamte Zeit über wahrgenommen.

An dem Augusttag, als die Polizei, die Feuerwehr und der Leichenwagen kamen, ging alles ganz schnell. Erst als die tote Frau durch den Hausflur nach unten getragen worden war, habe man etwas gerochen, berichtet eine Nachbarin.

Polizisten erklärten den durch den Einsatz aufmerksam gewordenen Nachbarn, dass die Tote mumifiziert gewesen sei und sie daher nichts gerochen hätten.
Nette Nachbarin

Die erwähnte Nachbarin hatte sich durchaus schon Sorgen um Claudia D. gemacht, mit der sie gelegentlich ein paar Worte im Hausflur gewechselt habe. „Sie war eine Nette und hatte immer ein Wort für mich“, erzählt sie. In einem der kurzen Gespräche habe sie erfahren, dass ihr geschiedener Mann einmal Polizist gewesen sei und dass sie zwei Kinder und mehrere Enkel habe. Der Nachbarin fiel auf, dass die stets freundliche Frau nie Besuch bekam.
Seit Weihnachten kein Lebenszeichen

Doch seit Weihnachten hörte die Nachbarin kein einziges Geräusch mehr aus dem dritten Stockwerk und sah die Frau auch nicht mehr. Seit Weihnachten war es dort totenstill. Erst dachte die Nachbarin, dass Claudia D. womöglich längere Zeit verreist sei.

Doch wie einem anderen Mieter, der schon länger im Haus wohnt, fiel ihr der übervolle Briefkasten auf. „Für uns war irgendwie klar, dass sie nicht mehr lebt“, berichtet die Nachbarin.
Hausverwaltung reagiert nicht

Die wenigen besorgten Bewohner verständigten die Hausverwaltung und baten diese, sich zu kümmern. Doch nichts geschah. „Wir hätten ja selbst etwas unternommen, aber wir haben befürchtet, dass wir am Ende den Feuerwehr- und Polizeieinsatz bezahlen müssten, weil womöglich kein anderer da ist, der dafür aufkommen kann“, erklärt die Nachbarin das Zögern.

Am Ende gelangte die Information, dass Frau D. womöglich tot in der Wohnung liegt, über private Kontakte eines Nachbarn doch bei den Behörden. Der Verdacht bestätigte sich. Die Staatsanwaltschaft Potsdam leitete ein Todesermittlungsverfahren ein.

„Das Verfahren ist eingestellt, es gibt keinen Hinweis auf ein Fremdverschulden“, berichtet Behördensprecherin Sarah Kress-Beuting. Der Leichnam durfte daher beigesetzt werden.
Im Karneval aktiv

Was im Leben von Claudia D. schlecht gelaufen ist, wissen vermutlich allenfalls enge Angehörige. Die Frau, die zuvor in der Nähe von Brandenburg/Havel gelebt hat, war zumindest zeitweise keineswegs eine Außenseiterin. Sie galt als selbstbewusste Frau, war als Beamtin berufstätig und im gesellschaftlichen Leben ihres früheren Wohnortes präsent, etwa vor einigen Jahren im Karneval.

Der Name der Toten steht noch immer auf dem Klingelschild und auf dem Briefkasten. Die Tür zu ihrer Wohnung ist auch Wochen nach dem Auffinden noch polizeilich verplombt. Ein Aufkleber weist Claudia D. als Fan des BVB aus, es sei denn, sie hätte das Deutsche-Meister-Schild übernommen.
Abschied in der Todesanzeige

Die Frau, die so einsam und traurig gestorben ist, hinterlässt im weltweiten Netz noch einige digitale Spuren. Ihre Facebook-Seite existiert fort, die weist sie als Beamtin eines Brandenburger Gerichts aus.

Völlig egal ist Claudia D. ihren Kindern offenbar doch nicht gewesen. In einer Anzeige haben sie sich von ihrer Mutter verabschiedet.

Von Jürgen Lauterbach/RND
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Schlitzohr
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BeitragThema: Re: Niemand hat sie vermisst   20.09.18 9:30Eine Antwort erstellen

Um die Erbschaft werden sie sich bestimmt kümmern und eventuell auch streiten.
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mex
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BeitragThema: Re: Niemand hat sie vermisst   20.09.18 10:08Eine Antwort erstellen

Schlitzohr schrieb:
Um die Erbschaft werden sie sich bestimmt kümmern und eventuell auch streiten.


sagen wir es mal so - es fallen vermutlich sogar Erbschaftssteuer an

mit dem Tod kann man Geschäfte machen
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camina
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BeitragThema: Re: Niemand hat sie vermisst   20.09.18 10:54Eine Antwort erstellen

das müssen aber auch "saubere" Kinder sein, die ihre Mutter ein Jahr lang nicht vermissen, oder aber sie selbst hat den Kontakt abgebrochen...wer weiß das schon....
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Knurro-Knurreck
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BeitragThema: Re: Niemand hat sie vermisst   20.09.18 12:38Eine Antwort erstellen

Wenn die Frau Beamtin war, lebte sie offensichtlich im Ruhestand. Ansonsten wäre ihr Fehlen am Arbeitsplatz aufgefallen. Die zu unrecht überwiesenen Ruhestandsbezüge müssen natürlich zurückgezahlt werden.
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palim
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BeitragThema: Re: Niemand hat sie vermisst   20.09.18 16:43Eine Antwort erstellen

Wohl kaum, da der 9. August als Todesdatum gilt.
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palim
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Izinyoka
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BeitragThema: Re: Niemand hat sie vermisst   20.09.18 16:45Eine Antwort erstellen

die 3 Beitraege sagen alles aus.….
Wichtig scheint immer das finanzielle zu sein, wer erbt, wer zahlt Steuern, wer bezahlt zurueck.Ist das alles woran man denkt?
Ich frage mich eher wie ist das moeglich das niemand auch nur den Versuch machte diese arme Frau zu erreichen, da das aufbrechen der Tuer ja offensichtlich zu teuer waere.Einfach traurig...
.




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camina
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BeitragThema: Re: Niemand hat sie vermisst   20.09.18 18:26Eine Antwort erstellen

sehe ich wie Hans
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Luna
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BeitragThema: Re: Niemand hat sie vermisst   20.09.18 21:14Eine Antwort erstellen

7 Monate in denen sie niemand vermisst hatte, wie einsam muss ihr Leben in ihrer letzten Zeit gewesen sein.

Doch es gibt mehr solcher Menschen um die sich niemand kümmert, wo niemandem auffällt, dass sie nicht mehr da sind.


Ein Mann joggt, bricht zusammen, liegt seit Monaten im Koma. Die Berliner Polizei steht vor einem Rätsel: Wer ist der unbekannte Läufer aus dem Volkspark Wilmersdorf – und warum sucht ihn einfach niemand?

Er ist der Mann, nach dem niemand fragt. Seit vier Monaten ist das nun schon. Das gab es bisher noch nicht in der langen Geschichte der Berliner Charité. Niemand weiß, wer dieser Patient ist, der noch immer im Koma liegt. Ergrautes Haar, buschige Augenbrauen und eine gute Figur für einen Senior zwischen 60 und 70, durchtrainiert. Sie haben ihn auf der Intensivstation nun in ein Doppelzimmer verlegt. Damit er nicht zu einsam ist. Die Stille um ihn bleibt. Die Klinik wünscht keinen Besuch, keine Gespräche mit Ärzten oder Pflegern.

Genauso rätselhaft wie für die Charité ist dieser Fall für die Hauptstadt-Polizei. „So etwas gab es in Berlin noch nicht“, sagt eine Sprecherin. „Das ist auch für unsere Vermisstenstelle eine ganz neue Situation.“ Es sei das erste Mal, dass es nicht den kleinsten Hinweis auf einen Menschen gebe. Und keine Vermisstenanzeige. „Es gibt überhaupt nichts.“

Am 13. März war der unbekannte Senior im Volkspark Wilmersdorf beim Joggen zusammengebrochen. Er schlug unglücklich mit dem Kopf auf einen Stein auf. Passanten fanden ihn bereits bewusstlos. Seitdem sucht die Kripo nach einem Anhaltspunkt, wer dieser Mann sein könnte. Irgendetwas, eine winzige Spur. Die Polizei hat mehrfach Fotos veröffentlicht. Beim zweiten Mal hat sie ihm seine Zahnprothese einsetzen lassen, damit man ihn vielleicht besser erkennt.

Die Polizei stellte auch Fotos zweier Schlüssel ins Netz – das Einzige, was der Jogger außer ein paar Euro bei sich trug. Dort sind Firmennamen eingestanzt, große Hersteller, aber keine Sicherheitsnummern. Auch das ist selten – und fatal für die Kripo. Damit gibt es keine Spur zu einer Adresse. So weiß bis heute niemand, wo dieser Mann in Berlin gelebt hat. Oder jemand, der es weiß, schweigt.

Für einen Obdachlosen war der Mann viel zu gepflegt, als sie ihn im Park fanden: gut rasiert, gesunde Haut, keine Narben. Dazu eine orangefarbene Joggingjacke, ein schwarzblaues Laufshirt und eine schwarzblau-rosafarbene Jogginghose, alles in Größe L. Die Füße steckten in weiß-roten Marken-Laufschuhen, Reebok, Größe 44,5.

Dazu noch die Zahnprothese. In Deutschland hat dieser Mann wohl auch keine dunkle Vergangenheit. Seine Fingerabdrücke sind nicht registriert. Wer nie unter dem Verdacht stand, eine Straftat begangen zu haben, ist in den Datenbanken der Polizeibehörden nicht erfasst.

Auch eine DNA-Probe hat die Polizei schon genommen. Doch wenn Angehörige kein Genmaterial von sich preisgeben, geht ein Abgleich auch hier ins Leere. Dazu gibt es in diesem Fall keine Vermisstenmeldung von Angehörigen. Als gebe es diesen Menschen nicht – als habe er keine Familie, keine Freunde, keine Bekannten, keine Nachbarn, keine Kollegen – ist das möglich?

Die Kripo ist jedem winzigen Hinweis nachgegangen. Immer Fehlanzeige. Dass Menschen bewusstlos und ohne Papiere gefunden werden, kommt in der Party-Hauptstadt öfter vor. Dass sie nicht wieder zu sich kommen und noch dazu niemand nach ihnen fragt – das ist selbst für Deutschlands größte Stadt mehr als ungewöhnlich.

Natürlich gibt es die Einsamen und Zurückgezogenen. Manchmal finden Rechtsmediziner in den Wohnungen deutscher Großstädte ein Skelett im Sessel – vor dem laufenden Fernseher, die Fernbedienung noch in der Knochenhand. Ein natürlicher Tod, von niemandem bemerkt. Doch nach Spuren dieser Menschen hat die Kripo auch nicht monatelang gesucht. Manchmal finden sie, wie jüngst in Berlin, einen einsamen Witwer nach elf Jahren in der Tiefkühltruhe. Ein Verbrechen aus Habgier, das schließlich auffiel, weil ein Nachbar den 80-Jährigen als vermisst meldete.

Irgendetwas fällt sonst immer auf. Ein überquellender Briefkasten, eine Haus- oder Wohnungstür voller Spinnweben. Ein Hausarzt oder ein Zahnarzt, die ihre Patienten auf Such-Fotos erkennen. Und falls dieser Mann ein Reisender war, hätte es nicht abgeholtes Gepäck oder eine unbezahlte Rechnung geben können? Eine Fahrkarte? Irgendetwas. Aber: nichts.

Direkt nach der Aufnahme in die Charité sei durch das Gericht ein Betreuer für den unbekannten Patienten bestellt worden, sagt Charité-Sprecherin Manuela Zingl. Er gebe nun etwa die Zustimmung für Behandlungen. Die Kosten dafür trage die Klinik, bis eine Rehabilitation möglich sei. Das sei im Moment aber noch nicht in Sicht.

Erst wenn die Identität des Mannes klar ist, weiß die Klinik, ob er eine Krankenversicherung hat. Bis dahin übernimmt sie die hohen Kosten für die Intensivpflege. Und niemand weiß genau, wie stark das Hirn dieses Koma-Patienten durch seinen Sturz auf den Kopf geschädigt ist. Vielleicht weiß er also selbst nicht, wer er ist – falls er jemals wieder aufwacht.

dpa


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BeitragThema: Re: Niemand hat sie vermisst   20.09.18 22:08Eine Antwort erstellen

Man kann doch als unabhängiger Einzelmensch ein paar Monate nach dem Ableben in seiner Wohnung zubringen. Dies ist doch nichts Besonderes. Schlimmer wär es, wenn man als Lebender ein paar Monate nicht aus seiner Wohnung rauskäme.
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BeitragThema: Re: Niemand hat sie vermisst   20.09.18 22:14Eine Antwort erstellen

Luna schrieb:
7 Monate in denen sie niemand vermisst hatte, wie einsam muss ihr Leben in ihrer letzten Zeit gewesen sein.

Doch es gibt mehr solcher Menschen um die sich niemand kümmert, wo niemandem auffällt, dass sie nicht mehr da sind.


Ein Mann joggt, bricht zusammen, liegt seit Monaten im Koma. Die Berliner Polizei steht vor einem Rätsel: Wer ist der unbekannte Läufer aus dem Volkspark Wilmersdorf – und warum sucht ihn einfach niemand?

Er ist der Mann, nach dem niemand fragt. Seit vier Monaten ist das nun schon. Das gab es bisher noch nicht in der langen Geschichte der Berliner Charité. Niemand weiß, wer dieser Patient ist, der noch immer im Koma liegt. Ergrautes Haar, buschige Augenbrauen und eine gute Figur für einen Senior zwischen 60 und 70, durchtrainiert. Sie haben ihn auf der Intensivstation nun in ein Doppelzimmer verlegt. Damit er nicht zu einsam ist. Die Stille um ihn bleibt. Die Klinik wünscht keinen Besuch, keine Gespräche mit Ärzten oder Pflegern.

Genauso rätselhaft wie für die Charité ist dieser Fall für die Hauptstadt-Polizei. „So etwas gab es in Berlin noch nicht“, sagt eine Sprecherin. „Das ist auch für unsere Vermisstenstelle eine ganz neue Situation.“ Es sei das erste Mal, dass es nicht den kleinsten Hinweis auf einen Menschen gebe. Und keine Vermisstenanzeige. „Es gibt überhaupt nichts.“

Am 13. März war der unbekannte Senior im Volkspark Wilmersdorf beim Joggen zusammengebrochen. Er schlug unglücklich mit dem Kopf auf einen Stein auf. Passanten fanden ihn bereits bewusstlos. Seitdem sucht die Kripo nach einem Anhaltspunkt, wer dieser Mann sein könnte. Irgendetwas, eine winzige Spur. Die Polizei hat mehrfach Fotos veröffentlicht. Beim zweiten Mal hat sie ihm seine Zahnprothese einsetzen lassen, damit man ihn vielleicht besser erkennt.

Die Polizei stellte auch Fotos zweier Schlüssel ins Netz – das Einzige, was der Jogger außer ein paar Euro bei sich trug. Dort sind Firmennamen eingestanzt, große Hersteller, aber keine Sicherheitsnummern. Auch das ist selten – und fatal für die Kripo. Damit gibt es keine Spur zu einer Adresse. So weiß bis heute niemand, wo dieser Mann in Berlin gelebt hat. Oder jemand, der es weiß, schweigt.

Für einen Obdachlosen war der Mann viel zu gepflegt, als sie ihn im Park fanden: gut rasiert, gesunde Haut, keine Narben. Dazu eine orangefarbene Joggingjacke, ein schwarzblaues Laufshirt und eine schwarzblau-rosafarbene Jogginghose, alles in Größe L. Die Füße steckten in weiß-roten Marken-Laufschuhen, Reebok, Größe 44,5.

Dazu noch die Zahnprothese. In Deutschland hat dieser Mann wohl auch keine dunkle Vergangenheit. Seine Fingerabdrücke sind nicht registriert. Wer nie unter dem Verdacht stand, eine Straftat begangen zu haben, ist in den Datenbanken der Polizeibehörden nicht erfasst.

Auch eine DNA-Probe hat die Polizei schon genommen. Doch wenn Angehörige kein Genmaterial von sich preisgeben, geht ein Abgleich auch hier ins Leere. Dazu gibt es in diesem Fall keine Vermisstenmeldung von Angehörigen. Als gebe es diesen Menschen nicht – als habe er keine Familie, keine Freunde, keine Bekannten, keine Nachbarn, keine Kollegen – ist das möglich?

Die Kripo ist jedem winzigen Hinweis nachgegangen. Immer Fehlanzeige. Dass Menschen bewusstlos und ohne Papiere gefunden werden, kommt in der Party-Hauptstadt öfter vor. Dass sie nicht wieder zu sich kommen und noch dazu niemand nach ihnen fragt – das ist selbst für Deutschlands größte Stadt mehr als ungewöhnlich.

Natürlich gibt es die Einsamen und Zurückgezogenen. Manchmal finden Rechtsmediziner in den Wohnungen deutscher Großstädte ein Skelett im Sessel – vor dem laufenden Fernseher, die Fernbedienung noch in der Knochenhand. Ein natürlicher Tod, von niemandem bemerkt. Doch nach Spuren dieser Menschen hat die Kripo auch nicht monatelang gesucht. Manchmal finden sie, wie jüngst in Berlin, einen einsamen Witwer nach elf Jahren in der Tiefkühltruhe. Ein Verbrechen aus Habgier, das schließlich auffiel, weil ein Nachbar den 80-Jährigen als vermisst meldete.

Irgendetwas fällt sonst immer auf. Ein überquellender Briefkasten, eine Haus- oder Wohnungstür voller Spinnweben. Ein Hausarzt oder ein Zahnarzt, die ihre Patienten auf Such-Fotos erkennen. Und falls dieser Mann ein Reisender war, hätte es nicht abgeholtes Gepäck oder eine unbezahlte Rechnung geben können? Eine Fahrkarte? Irgendetwas. Aber: nichts.

Direkt nach der Aufnahme in die Charité sei durch das Gericht ein Betreuer für den unbekannten Patienten bestellt worden, sagt Charité-Sprecherin Manuela Zingl. Er gebe nun etwa die Zustimmung für Behandlungen. Die Kosten dafür trage die Klinik, bis eine Rehabilitation möglich sei. Das sei im Moment aber noch nicht in Sicht.

Erst wenn die Identität des Mannes klar ist, weiß die Klinik, ob er eine Krankenversicherung hat. Bis dahin übernimmt sie die hohen Kosten für die Intensivpflege. Und niemand weiß genau, wie stark das Hirn dieses Koma-Patienten durch seinen Sturz auf den Kopf geschädigt ist. Vielleicht weiß er also selbst nicht, wer er ist – falls er jemals wieder aufwacht.

dpa


Warum zeigen die den Mann nicht weltweit im Internet?
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Luna
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BeitragThema: Re: Niemand hat sie vermisst   20.09.18 22:21Eine Antwort erstellen

Man hatte es veröffentlicht in diversen Zeitungen und beim googeln danach bin ich jetzt fündig geworden.

Wie die Polizei mitteilte, wurde er nun identifiziert - auf äußerst ungewöhnliche Weise.
Laut einer Mitteilung der Polizei handelt es sich bei dem Mann um einen 74-jährigen Berliner, der in der Brandenburgischen Straße in Wilmersdorf lebt. Der Mann ist Deutscher und hat iranische Wurzeln. Er ist alleinstehend.
Laut Informationen der Berliner Morgenpost hat ein Nachbar den Schlüssel des Joggers erkannt.
Erst der Tipp des Nachbarn verhalf nun zum Ermittlungserfolg. Nicht weil der Jogger erkannt wurde, sondern sein Schlüssel. In diesem Fall lag es wohl nicht nur daran, dass der 74-Jährige allein lebte und in Berlin keine Angehörigen hatte. Der Mann soll auch so gut wie keine Kontakte zu seinen Nachbarn unterhalten haben. Ein Leben in Anonymität, das in Metropolen wie Berlin nicht selten ist.

https://www.morgenpost.de/berlin/article214828041/Jogger-aus-Wilmersdorf-identifiziert.html

Nu sollte man hoffen, dass er auch noch aus dem Koma erwacht.
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BeitragThema: Re: Niemand hat sie vermisst   20.09.18 22:37Eine Antwort erstellen

Luna schrieb:
Man hatte es veröffentlicht in diversen Zeitungen und beim googeln danach bin ich jetzt fündig geworden.

Wie die Polizei mitteilte, wurde er nun identifiziert - auf äußerst ungewöhnliche Weise.
Laut einer Mitteilung der Polizei handelt es sich bei dem Mann um einen 74-jährigen Berliner, der in der Brandenburgischen Straße in Wilmersdorf lebt. Der Mann ist Deutscher und hat iranische Wurzeln. Er ist alleinstehend.
Laut Informationen der Berliner Morgenpost hat ein Nachbar den Schlüssel des Joggers erkannt.
Erst der Tipp des Nachbarn verhalf nun zum Ermittlungserfolg. Nicht weil der Jogger erkannt wurde, sondern sein Schlüssel. In diesem Fall lag es wohl nicht nur daran, dass der 74-Jährige allein lebte und in Berlin keine Angehörigen hatte. Der Mann soll auch so gut wie keine Kontakte zu seinen Nachbarn unterhalten haben. Ein Leben in Anonymität, das in Metropolen wie Berlin nicht selten ist.

https://www.morgenpost.de/berlin/article214828041/Jogger-aus-Wilmersdorf-identifiziert.html

Nu sollte man hoffen, dass er auch noch aus dem Koma erwacht.

Trotzdem irgendwie suspekt der (iranischwurzlige) Mann, im Gegensatz zur Beamtin ...
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